Phytotherapieoder auch Pflanzenheilkunde umfasst die gesamte medizinische Heilkunst der Vergangenheit. Sie ist das älteste Heilverfahren der Menschheitsgeschichte. So wurden in der Bibliothek des assyrischen Königs Assurbanipal um 2500 v. Chr. über 250 Heilpflanzen aufgeführt und die ägyptische Königin Hatschepsut ließ um 1490 v. Chr. ein Gewächshaus für die Heilkräuter errichten. Der griechische Arzt Hippokrates (um 460-377 v. Chr.) und der römische Arzt Galenus (129-199 n. Chr.) stützten sich in ihrer Arbeit auf die Phytotherapie. Die deutsche Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) beschrieb in ihrem Buch pflanzliche Mittel gegen Fieber, Herzkrankheiten und Rheuma. Die Volksmedizin wurde lange Zeit von sog. „weisen Frauen“ ausgeübt, die leider oftmals als Hexe den Tod in den Flammen fanden. Mit ihnen starb auch ihr Wissen, so das die Phytotherapie in der Folgezeit neu entdeckt werden musste. Den Begriff „Phytotherapie“ prägte der französische Arzt Henri Leclerc (1870-1955). Zu den Untergruppen der Pflanzenheilkunde gehören die Homöopathie und die Bachblütentherapie.
Heute nutzt man von den etwa 3000 bekannten Heilpflanzen etwa 500 für medizinische Zwecke. Viele Pflanzenwirkstoffe werden inzwischen auch synthetisch hergestellt, z.B. das Herzglykosid Digitalis, das ursprünglich aus dem Fingerhut stammt. Die wirksamen Stoffe können aus den verschiedensten Pflanzenteilen hergestellt werden; mal sind es die Wurzeln, mal die Blätter, mal die Blüten oder die Samen. Die bekannteste Anwendung der Phytotherapie heute stellt der Tee-Aufguss dar. Im übrigen können Heilpflanzen als Tinkturen, Extrakte, Pulver, Granulate, Tabletten, Dragees, Kapseln oder Tropfen, Tonika und Elixiere verwendet werden. Entsprechend gesetzlicher Grundlagen sind für alle auf dem Markt befindlichen Phytopharmaka Untersuchungen über die Wirkungsweise und die Nebenwirkungen erstellt worden.
Die Wirkung der Heilpflanzen erfolgt über ihre verschiedenen Bestandteile, so z.B. über ätherische Öle, Bitter- und Gerbstoffe, Alkaloide, Glykoside, Flavonoide und Saponine.
Generell gibt es für nahezu jede Erkrankung und Befindlichkeitsstörung Hilfe aus der Natur, allerdings muss man bei der Phytotherapie etwas Geduld aufbringen. Trotz regelmäßiger Anwendung stellen sich die Therapieerfolge oft erst nach Tagen bis Wochen ein.
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