Unterscheidungsmomente der Mediationsformen
In den letzten Jahren haben Zen-Meister Christen die Erlangung der Erleuchtung durch Meditation attestiert.
Christen sehen ebenso wie Buddhisten die Möglichkeit hinsichtlich der Meditation, Zen ohne Verlust ihrer religiösen Identität zu integrieren. Eine solche Integration erscheint so lange möglich, als die Erleuchtung durch Meditation einerseits jene Offenheit, Leere und Selbstentäußerung darstellt, die - frei von Bildern und Gedanken - das Äußerste ist, zu dem menschliches Vermögen "ekstatisch" fähig ist, andererseits der Mensch in diesem Akt des Lassens nicht nochmals in subtiler Weise über jene Möglichkeiten zu verfügen sucht, die - christlich gesagt - nur Gott zuzugestehen sind. Anders gesagt, der wahrhaft Erleuchtete wird seine Erleuchtung durch Meditation nicht eigenmächtig als Selbsterlösung vorstellen.
Freilich ist die Gefährdung der inzwischen erreichten Situation nicht zu übersehen. Sie besteht vor allem darin, dass in das Wortlos-Offene immer wieder die Vielzahl auch unerbetener Worte eindringt und Menschen, die sich auf den Weg der Schweigemeditation machen, bei mangelnder Unterscheidung der Geister auf unterschiedlichste Weise manipulierbar werden. Offen ist auch die Frage nach den Autoritäten (Verhältnis von Meistern, Lehrern, Lehramt und Theologie) im Bereich der Erleuchtung durch Meditation. Diese Frage kann nicht ausgeklammert werden, wenn es um die Frage nach der Wahrheit, Echtheit und Deutung der Erleuchtung durch Meditation und um die Authentizität des Heilsweges geht.
Jede Meditation ist auf das Letztlich-Umfassende, Endgültige, Nicht-zu-Begreifende ausgerichtet, dem sich der Mensch nur stellen, über das er aber nicht verfügen kann. Die Frage in Bezug auf die Meditation verschärft sich, wo es darum geht, zu entscheiden, ob die sich dem Menschen mitteilende letzte Wirklichkeit personal ansprechbar ist oder aber, - wie weithin in den meditativen Formen des Zen-Buddhismus - nicht nur unaussprechbar, sondern auch unansprechbar, namenlos und unpersönlich bleibt. Der Christ steht dabei in der besonderen Situation, dass er mit seinem Glauben an Jesus von Nazaret seine eigene meditative Erfahrung als Teilhabe an der Gotteserfahrung Jesu versteht.
(Dom Le Saux, Indische Weisheit - Christliche Mystik, J.A. Cuttat, Asiat. Gottheit - christlicher Gott)

Therapeuten, Heilpraktiker