Vorzeitige Ejakulation: eine Krankheit oder ein psychologisches Problem?

Eine normale Zeitspanne bis zur Ejakulation und ein vorzeitiger Samenerguss, Ejaculatio praecox, sind manchmal nicht ganz leicht zu unterscheiden. Statistisch gesehen erfolgt der Orgasmus beim Geschlechtsverkehr bei Betroffenen jedoch nach nur etwa einem Drittel der durchschnittlichen Zeit. Dieses geschieht bei jedem oder fast jedem sexuellen Verkehr und unter Umständen auch bei der Masturbation. Im Extremfall gelingt es nicht, den Penis überhaupt einzuführen, da der Samenerguss bereits zuvor stattfindet, dann spricht man von einer "Ejaculatio ante portas".

Vorzeitige Ejakulation:  eine Krankheit oder ein psychologisches Problem?
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Allein das reicht jedoch nicht für eine Diagnose. Entscheidend sind zwei weitere Punkte: Zum einen sieht sich der Erkrankte nicht imstande, seine Ejakulation zu kontrollieren oder zu verzögern. Zum anderen, und das ist sicherlich der wichtigste Punkt, muss ein persönlicher Leidensdruck bestehen. Nicht jeder Mann, der extrem schnell zum Orgasmus kommt, leidet auch darunter. Unter Umständen ist dieser Zustand auch vom Betroffenen sowie seinem Partner oder seiner Partnerin akzeptiert und hat keinerlei weitere Konsequenzen.

Sind diese drei Bedingungen jedoch erfüllt, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen vorzeitigen Samenerguss. Diese Störung kann angeboren sein, das heißt seit Beginn der Pubertät vorkommen. Es ist aber auch möglich, dass sie erst später erworben wird.

Sie wird zu den Orgasmusstörungen gezählt, unter denen sie mit 3-30% Betroffenen bei den unter 60jährigen Männern die häufigste ist. Nicht von einem vorzeitigen Samenerguss ist dann zu sprechen, wenn die Probleme nur kurzzeitig aufgrund längerer Abstinenz oder infolge einer neuen Partnerschaft auftreten.

Ursachen und Folgen einer vorzeitigen Ejakulation

Die Ursachen der Störung sind noch nicht vollständig erforscht, höchstwahrscheinlich existiert keine monokausale Ursache. Nach neuesten Erkenntnissen handelt es sich jedoch zumeist um eine Mischform aus psychologischen und neurobiologischen Faktoren. Dabei kommt es auch darauf an, seit wann die Erkrankung besteht. Bei lebenslangen Formen liegt häufig eine genetisch bedingte Veränderung der Serotoninproduktion vor, während bei erworbenen Formen oft eine andere Erkrankung zugrunde liegt.

Das können beispielsweise unbehandelte Schilddrüsenerkrankungen, eine Prostataentzündung oder ein psychologisches Problem sein. Grundsätzlich können psychisch bedingte Faktoren eine Rolle bei Entstehung und Verlauf der Störung spielen, in jedem Fall aber verschlechtern sie das Leiden. Infrage kommen dabei beispielsweise Stress oder Konflikte in der Partnerschaft.

In der Folge kommt es bei Betroffenen oft zu Ängsten und Schwierigkeiten in der Partnerschaft. Die Erkrankten reagieren mit Aggression, Rückzug oder dem Verzicht auf Sex. Dieses Verhalten belastet die Beziehung, insbesondere wenn nicht über die Gründe gesprochen wird, und kann schlimmstenfalls zur Trennung führen. Auch fühlen sich Männer mit Ejakulationsstörungen oft in ihrem Selbstwertgefühl gemindert, da sie den Eindruck gewinnen, beim Geschlechtsverkehr zu versagen.

Behandlungsmöglichkeiten einer vorzeitige Ejakulation

Vielen Männern ist nicht bewusst, dass ihr Problem möglicherweise behandelbar ist, weshalb sie den Arztbesuch scheuen. Auch ein Therapeut wird häufig erst aufgesucht, wenn sich bereits massive Probleme in der Partnerschaft ergeben haben.

Zur Behandlung des vorzeitigen Samenergusses gibt es verschiedene Ansätze. Zunächst sollte abgeklärt werden, wie lange der Betroffene bereits darunter leidet und ob andere Ursachen ausgeschlossen werden können. Wenn keine andere organische Erkrankung infrage kommt, hilft ein speziell zugeschnittener Fragebogen bei der Anamnese und Abgrenzung von anderen Sexualstörungen. Danach gibt es verschiedene Möglichkeiten der Behandlung.

Zunächst kann mit einer Therapie versucht werden, die eigene Wahrnehmung und die Kontrolle der Erektion zu verbessern. Dazu gibt es unterschiedliche Techniken, die darauf abzielen, den Betroffen nach und nach zu befähigen, seine Ejakulation länger hinauszuzögern. Dies geschieht idealerweise unter Einbezug des Partners oder der Partnerin, zwingend notwendig ist das jedoch nicht. Bringt diese Behandlung allein noch nicht den gewünschten Erfolg, stehen eine Reihe medikamentöser Ansätze zur Auswahl.

Möglich ist beispielsweise die Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs), die eigentlich der Behandlung von Depressionen dienen, im Off-Label-Use. Bei regelmäßiger Einnahme zählen Orgasmusverzögerungen zu deren häufigsten Nebenwirkungen. Ebenfalls auf die Serotoninproduktion zielt das Medikament Priligy ab, mit dem Vorteil kurzfristiger einsetzbar zu sein.

Des Weiteren können lokale Anästhetika wie Benzocain, Prilocain und Lidocain genutzt werden, um die Erregungsempfindung von Vorhaut und Eichel herabzusetzen. Sie können als Creme oder Spray aufgetragen werden, oder in Form innenseitig beschichteter Kondome angewendet werden.


Letzte Änderung: 09.06.2016

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