Negativitätsfalle

“Wer bin ich eigentlich?“, kam mir des Öfteren der Gedanke in den Kopf, als ich noch ein Kind war. Ich kann mich sehr gut an die Momente erinnern, in denen ich nur da saß und auf meinen Atem lauschte. Dabei beobachtete ich meine Gedanken und studierte mein Körper. Ich schaute ganz genau meine Hände an und untersuchte die Linien darauf. Ich streckte meine Beine aus und wackelte mit den Zehen. Es war ein großartiges Gefühl, sich wahrzunehmen und so lebendig zu fühlen.

Ziemlich schnell fand ich auch heraus, dass der Roboter ohne seine Steuerung im Kopf  sehr wenig zu Nutze war. Er war nicht faul oder müde, er wusste einfach nicht weiter.

War also die Steuerung im Kopf schuld, dass ich keine Lust zum Spielen oder Lernen hatte? Waren etwa meine Gedanken faul und kraftlos? Nur, wie war so etwas möglich, sie saßen doch nur im Kopf und regierten über meinen Körper? Waren Gedanken etwa anstrengender als ein Körper zu sein?

Über diese und viele andere Dinge habe ich als Kind nachgedacht. Die Antworten auf meine Fragen habe ich nie bekommen, da sie nie ausgesprochen wurden. Ich wusste auch nicht, wem ich sie stellen konnte, denn alle Erwachsenen kamen mir so beschäftigt vor. Meine Fragen in der Schule vor der ganzen Klasse zu stellen, hätte ich mich nie im Leben getraut. Die Gefahr, sich zu blamieren und ausgelacht zu werden, war einfach zu groß.

Ich wuchs heran und übernahm mit der Zeit immer mehr Verantwortung. Somit hatte ich weniger Zeit zum Nachdenken, bis ich eines Tages, ohne es zu merken natürlich, völlig damit aufhörte. Ich fing an zu funktionieren, genau wie alle anderen Menschen auch. Mir wurde vorgelebt, dass das Leben kein Zuckerschlecken ist und man sein Schicksal so nehmen muss, wie es kommt.

Die Menschen um mich herum mussten hart arbeiten, um wenigstens etwas zu verdienen oder zu besitzen. Nichts gab es umsonst!

Auch wir Kinder mussten einiges tun, um belohnt zu werden. Der Lohn in Form eines Lobes oder einer positiven Bemerkung war meistens sehr mager. Dafür wurde Kritik umso mehr verteilt.

Solange ich mich erinnern kann, hatte ich immer das Bedürfnis, beweisen zu müssen, dass ich gut genug bin und es verdiene, geliebt zu werden. Ich habe mich immer bemüht und angestrengt, den Erwartungen anderer Menschen gerecht zu werden.

Zuerst stand das Streben nach besten Schulnoten und tatkräftige Unterstützung im Haushalt im Vordergrund. Danach kamen Anstrengungen um den Erwerb materieller Dinge und die persönliche Verwirklichung.

Ich wollte immer dazugehören, um nicht ausgeschlossen zu werden.

Je älter ich wurde, desto höher waren meine Ansprüche und Ziele. Glücksmomente, die darauf folgten, wurden aber immer kürzer und seltener. Bis irgendwann das Leben zum Hamsterrad wurde: Ich glaubte, mich noch mehr anstrengen zu müssen, um glücklicher zu werden...


Letzte Änderung: 28.09.2015

Autor/in und inhaltlich verantwortlich
Ellen Kühne Lebenscoach und Heilmedium Straubing
Lebenscoach und Heilmedium Ellen Kühne
94315 Straubing

www.lebensberatung-ellenkuehne.com

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