Persönlichkeitsentwicklung & Psychotherapie mit Pferden

Psychotherapie in und mit der Natur gibt es seit vielen Jahren. Visionssuche in der Wüste, Schwimmen mit Delphinen für depressive Menschen, Meditationen am Stromboli, Hippotherapie für geistig und körperlich behinderte Menschen, um nur einige Beispiele zu nennen. Meistens wird sie von den „seriösen“ Therapeuten belächelt und mit Urlaub in Verbindung gebracht. In die Natur begibt man sich in seiner Freizeit, verbringt seinen Urlaub. Klassische Psychotherapie hat jedoch in einem geschlossenem Raum statt zu finden, eventuell noch auf der Veranda.

Im Alltag spielen Tiere eine große Rolle für die seelische Gesundheit

Wie würde sich unser soziales Leben wandeln, wenn es die vielen Hunde, Katzen, Vögel, Hamster, Meerschweinchen nicht mehr gäbe. Auf all diese tierischen Mitbewohner werden eigenen Persönlichkeitsanteile projiziert. Diese tragen sie geduldig und entlasten dadurch die menschliche Gemeinschaft. So trägt der Hund die unbewusste Aggression seines Herrchens, wenn er zum hundertsten Mal den Mountainbiker verbellt. Sein Herrchen wird im Brustton der Überzeugung dem erschreckten Radler sagen, „das hat er noch nie gemacht“. Gäbe es diesen Hund nicht, dann würde das Herrchen den Radfahrer „anbellen“, noch mehr Streitereien und Auseinandersetzungen wären die Folge.

Robert Bly schreibt in seinem 1990 erschienen Buch „Eisenhans“:

Wenn ein Therapeut oder eine Therapeutin nicht hinabtaucht, um dem wilden Mann oder der wilden Frau zu begegnen, wird er oder sie versuchen mit Worten zu heilen. Die heilende Energie, die in Wasserfällen, Bäumen, Lehm, Pferden, Hunden, Stachelschweinen, Lamas, Ottern gespeichert ist, gehört in das Reich der Wilden Wesen. Therapeuten werden das verstanden haben, wenn sie eines Tages darauf bestehen, daß sich bei ihren therapeutischen Sitzungen eine Kuh im Raum befindet.

Psychotherapie findet in der Regel in einem geschlossenem Raum statt

Für viele Fragestellungen ist dies gut und ausreichend. Doch viele Bereiche bleiben dabei außen vor. Es entsteht manchmal eine künstliche Situation. Etliche der Menschen, die ich für einige Zeit in der Persönlichkeitsentwicklung mithilfe der Psychotherapie begleiten durfte, erzählten mir, dass sie sich entwurzelt fühlten, ohne Boden unter den Füßen. Ihnen fehlten Maßstäbe und Kriterien, für das, was ihrem Leben Sinn geben könnte.

Bei Menschen mit einer depressiven Symptomatik habe ch sehr oft beobachtet, daß sich dann eine deutliche Besserung ergeben hat, wenn sie Aktivitäten in der Natur begonnen haben. Drastische Entwicklungsprozess begannent, nachdem Klienten das Reiten begonnen hatten, sich ein Pferd gekauft hatten, regelmäßig zu Laufen begonnen hatten, einen Garten anbauten, von der Stadt aufs Land umzogen, etc.

Depression zum Beispiel geht einher mit Beeinträchtigungen der Selbstwahrnehmung, körperlich wie auch gefühlsmäßig. Eine differenzierte Selbstwahrnehmung ist eine Voraussetzung, um Lösungen für Lebensfragen zu finden. Wenn ich nicht spüre, daß mir die Schuhe zu klein geworden sind, kann ich mir auch keine anderen anziehen, mit denen ich besser laufen kann.

Der Kontakt mit Tieren schult die Wahrnehmung und regt persönliches Wachstum an.

Egal ob Tiere oder andere Naturerfahrungen ins Spiel gebracht werden, aus der Behandlungsdyade wird eine Behandlungstriade. Der Therapeut tritt einen Schritt zurück und macht einem weiteren Spiegel Platz. So hat es der Klient leichter, sich zu erkennen und zu heilen.

Cotherapeut Pferd

Wie ich anfangs schon berichtet habe, werden auf unsere tierischen Mitbewohner eigene Persönlichkeitsanteile projiziert, welche diese geduldig tragen und dadurch die menschliche Gemeinschaft entlasten. Diese unbewussten Projektionen können im therapeutischen Prozess bewusst gemacht werden. Sie geben Hinweise auf eigene Schwächen, verborgene Fähigkeiten, geheime Sehnsüchte, Wünsche und Gefühle.

Eine besondere Rolle kommt hier den Pferden zu.

Seit Jahrtausenden begleitet es den Menschen im körperlichen, seelischen und geistigen Sinn. Es erscheint als geflügelter Pegasus, als weiße Stute Epona, die Urgöttin der Kelten, als Zentaur, als Einhorn, als Zauberpferd, das dem Prinzen aus großer Not hilft, als treuer Begleiter, der Pflug und Wagen zieht. Es trägt seinen Reiter in die Schlacht und begleitet ihn auf seinem letzten Gang. Mit der Kraft der Pferde siegten die Prinzen und Helden über das Böse.

Seit Urzeiten ist es ein Symbol für Freiheit, Kraft und Lebendigkeit geworden. Nach dem Verschwinden aus der Landwirtschaft und als Verkehrsmittel hat es sich seine vormals überragende Bedeutung für den Menschen in den letzten Jahren zurückerobert.

Inoffizielle Schätzungen sprechen von fast 2.000.000 Pferden in Deutschland.

Schon in der Zeit des Rittertums hatte das Pferd eine große Bedeutung für die Entwicklung der Persönlichkeit. Der rechte Umgang mit einem Pferd konnte den Charakter eines Menschen veredeln. Er wurde von einem gewöhnlichen Reiter zu einem Ritter. Dieser hatte gelernt seine Emotionen und Begierden im „Zaum zu halten“, er war also nicht mehr „zügellos“. Ein Mensch, dem nicht mehr „der Gaul“ durchgeht, ist in der Lage , seine Gefühle zu beherrschen. Es war ein Mensch, der taktvoll war, der seinen Zorn beherrschte. So einen Mann nennt man Kavalier. Kavalier kommt von Chevalier. Es bedeutet „Pferdemann“.

Bei dem Reitervolk der Mongolen offenbarte sich im Kontakt mit dem Pferd, wie der Mensch der Welt ist. Er konnte die Welt, dem Leben ausbeuten und benutzen oder sie beschützen und bewahren. Das Schlagen eines Pferdes und das Belästigen einer Frau war bei diesem Volk mit der Todesstrafe belegt.

Das Pferd ist seit Urzeiten Symbolträger. Symbole erleichtern das Spüren, Fühlen und Erkennen des Nichtbewussten. Das Pferd öffnet somit den Weg zu unseren tiefen Persönlichkeitsschichten. Es fördert auf ihre einzigartige Weise den physischen und psychischen Gesundungsprozess beim Menschen, wie zum Beispiel bei der Hippotherapie.

Im Laufe ihrer Entwicklung sind Pferde zu Experten geworden im Erkennen des Unterschiedes zwischen Sein und Schein. Sie prüfen einander in der Herde ständig auf Vertrauenswürdigkeit, auf Rang auf Authentizität. Sie lehren uns Menschen ehrlich und geduldig wahrzunehmen, wer wir sind, wo unsere Stärken sind und wo wir uns weiterentwickeln können. Durch das Miteinander im therapeutischen Kontakt mit Pferden lernen wir, mehr zu spüren: Gefühle, Körper, Wünsche und Gedanken. Pferde kommunizieren in erster Linie mittels Körpersprache. Das ist auch die ursprüngliche Kommunikation beim Menschen (zwischen Mutter und Säugling).

Das Kennenlernen eindeutigen Kommunikation der Pferde, macht es leicht die eigene Kommunikationsfähigkeit wahrzunehmen und wirkungsvoller zu gestalten. Durch ihre wertfreien Reaktionen auf unsere Handlungen, gelingt es die Wirksamkeit unseres Denkens, Fühlens und Handelns wahrzunehmen und wieder in Einklang zu bringen. Wenn Körper und Geist wieder in Harmonie sind, ist dies eine wesentliche Voraussetzung für Gesundheit.

Krankheit entsteht als Warnsignal des Körpers, wenn unser Denken, Fühlen und Handeln auseinanderklafft. Rüdiger Dahlke schreibt dazu in seinem Buch „Krankheit als Sprache der Seele“ (S. 96 ff): „Sobald man im übertragenem Sinn die Nase voll hat und seelisch zumacht, öffnet sich der Körper stellvertretend den entsprechenden Erregern, und die Nase verschließt sich. Wo sich das Bewußtsein erregenden Themen verschließt, muß sich die Körperebene den entsprechenden Erregern ersatzweise öffnen.

Somit kann das Pferd im therapeutischen Kontakt uns helfen, wieder gesund und heil zu werden.

Seit 14 Jahren habe ich die Mensch & Pferde-Arbeit in die Psychotherapie integriert.

Diese findet in einem Picadero (umzäuntes Viereck von 10x10m) statt. Genauso gut ist ersatzweise ein gleichgroßer Roundpen geeignet. In ihm treffen sich ein Mensch und ein ungesatteltes und ungezäumtes Pferd mit Anleitung eines Therapeuten. Dieser stellt dem Klienten verschiedene Aufgaben. Aus der daraus entstehenden Interaktion und Kommunikation zwischen Mensch und Pferd ergeben sich tiefe Empfindungen, Gefühle und Einsichten. Diese werden mit dem Therapeuten besprochen und der Transfer in den Alltag erarbeitet.

Als Beispiel der Begriff des vitalen Kreises

Jeder Mensch, jedes Pferd braucht einen gewissen Raum um sich, das sein privater Bereich ist. Dieser ist notwendig, um sich wohl zu fühlen. Wenn wir uns dieses vitalen Kreises nicht bewußt sind und jemand in diesen Raum eindringt, fühlen wir uns gestört. Wir empfinden dann zu viel Nähe, reagieren mit Gereiztheit, übertriebener Aggression. Pferde sind sich ihres vitalen Kreises jeden Moment bewußt. Sie antworten mit Rückzug/Ausweichen, wenn das andere Wesen als ranghöher wahrnehmen. Sie wahren ihren Raum, wenn Sie das Mitgeschöpf als rangniedriger wahrnehmen. Durch den Kontakt mit dem Pferd lernen wir, unseren vitalen Kreis bewußt wahrzunehmen.


Letzte Änderung: 03.10.2018


Autor/in und inhaltlich verantwortlich
Leonhard Oesterle Psychotherapeut, Trainer Deining
Praxis für Psychotherapie und Persönlichkeitsentwicklung
Psychotherapeut, Trainer Leonhard Oesterle
92364 Deining

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